Der letzte Badetag

Vor vier Komma fünf Jahren bekam ich zum Erstbezug meines neuen Büros eine so genannte Steinpflanze geschenkt. Ich glaube, sie sollte symbolisch für berufliches Glück und Reichtum stehen. Egal. Auf jeden Fall habe ich diese Steinpflanze geliebt. Ich habe sie gehegt und gepflegt. Viereinhalb Jahre lang! Als sei es ein Lebewesen, welches tagtäglich mit mir spricht. Ähnlich wie dieser Harway Hase oder einer der singenden Chipmunks. 
Diese Steinpflanze jedenfalls holt sich ihre Feuchtigkeit eigentlich aus der Luft. Ganz ohne Dazutun von außen. Ohne Wurzeln oder Erde. Man braucht sie weder gießen noch in den Spuckemund nehmen. Sie wächst einfach so in den Tag hinein. Etwas langsam – zugegeben – aber sie tuts. Theoretisch könnte man sie auch auf den Kopf eines Meerschweinchens kleben. Oder beidseitig auf die Wimpern. Ein Stein als Unterlage  tuts allemal aber auch.

Nun habe ich vor sechs Wochen bemerkt, dass dieser kleine Wasserschnapper 10mal schneller wächst und prächtig gedeiht, wenn ich ihn für 2 Minuten einmal pro Woche kopfüber in ein mildes Wasserbad lege. Das Pflänzchen hat sich seitdem an diesen besonderen Badetag gewöhnt und scheint mich jedes Mal vor dem großen Aufguss besonders vollblättrig begrüßen zu wollen. Seitdem ist jeder Mittwoch unser Badetag! In einer fast schon anmutigen Zeremonie guckt mir dann die grüne Dickblättrige zu, wie ich den alten Edelstahl-Wasserkocher aus Omas Zeiten mit handwarmem Leitungswasser auf genau 5cm Füllhöhe befülle. Ich besitze keinen anderen Behälter für Pflanzi, wie ich sie liebevoll nenne. Schließlich ist das Gewächs auf einem Lavastein aufgeklebt, der ebenso in einer großräumigen Nasszelle unterkommen will. 

Ein Bild aus glücklichen Tagen:
Ich und mein Kocher

Und wie jede Woche an einem Bademittwoch gieße ich auch heute wohltemperiertes Wasser von ca. 25 Grad Celsius in den Kocher. Ich nehme Pflanzi wie immer hoch, halte sie vor meine Augen und gucke ihr auf die dicken, gesunden, langen grünen Blätter. Ich blase und wedel ihr zärtlich den Bürostaub von der Palme und stelle sie behutsam kopfüber in ihren zu 1/3 gefüllten Badekocher.
Summend sinniere ich vor mir hin und gucke Pflanzi bei der Wasseraufnahme begeistert zu. Bis die Badeschau nach einem kurzen Minütchen jäh einen Abbruch nimmt. Ich bekomme Besuch.
Aha - ein Kollege, der meine Hilfe braucht. Unglaublich! Gerade jetzt, in einem schon recht intimen Moment zwischen diesem jetzt schon stark durchgetränkten Blätter-Rochen und mir. Aber der Kollege kann nicht ahnen dass er stört und ich widme mich den Sprechblasen des jungen Mitarbeiters.
Nach zwei weiteren Minuten geht abermals die Bürotür auf und weitere Kollegen besetzen meinen Büroraum. Mein Arbeitsplatz füllt sich zusehends mit Menschen. Und diese Menschen warten. Sie warten solange, bis ihnen geholfen wird. Das haben Kollegen so an sich. Vorher gehen die nicht! Niemals! 

Aus dem Internet-Archiv: 
So sieht eine gesunde Steinpflanze aus

Nach weiteren zwanzig Minuten sind die Problemchen der Kollegen zum größten Teil gelöst. Jedenfalls rede ich mir das ein.
Was kann es jetzt schöneres geben, als den Erfolg gelöster Probleme mit einem Cola Weinbrand, Champagner oder einem Masala Chai Tee zu begießen. Das erste und zweite darf ich nicht. Aber die Idee mit dem Tee trifft auf Begeisterung bei den nun problemlosen Kollegen und ich hole vorfreudig die Tassen aus dem Rollcontainer. Der chinesische Masala Chai wartet bereits einsatzbereit in kleinen abgepackten und aromageschützten Papiertütchen. Ich hänge die Beutel in die zum Teil mit Zucker gefüllten Tassen. Danach wende ich mich übermotiviert dem in der Sonne glänzenden Wasserkocher der Marke Cloer353 zu und schalte das kleine Kraftwerk auf lustige 100 Grad...

Einige Nanominuten später ist es soweit…
Nachdem die Suppe anfängt vor sich hin zu köcheln, wundere ich mich
natürlich sehr darüber, warum das Wasser schon jetzt einen ausgesprochen ausgewogenen, teeartigen Geruch in Richtung Brokkoli - Spargel - Mischung entwickelt. Sekunden später riecht das ganze Büro wie brennende Brokkoli-Felder. Auch die Farbe des kochenden Inhaltes deutet nicht auf ausschließlich natürliches Wasser hin. Ich sehe nur eine grünbraune Gischt in dem 1900 Watt Brodler. Und wie sie am Rand immer wieder hoch kocht, obwohl ich bereits den Stecker gezogen habe. Ich ahne nichts Gutes!
Beim Befüllen der Tassen kommt es mir wie Schuppen vor den Augen.
„Pflanzi?“
Noch rufe ich ihren Namen ausschließlich in Gedanken…
„Pflanzi?“
Aber das ändert sich parallel meiner aufsteigenden Panik
„PFLANZI?“

Schon beim Befüllen der ersten Tasse kommt mir der ganze Lava Stein samt der durchkochten Pflanze hinterher.

Oh mein Gott... Ich habe sie getötet!
Oder gibt es noch Hoffnung?

Ich hau mich weg... Ich weiß nicht ob ich lachen oder weinen soll. Schnell denke ich an die Erste Hilfe Maßnahmen bei Verbrennungsopfern und renne mit der dampfenden Pflanze den langen Gang zu den Waschräumen herunter. Jede Sekunde zählt. Pflanzi sieht Sekunde für Sekunde immer beschissener aus. Auch der Schwall eiskaltes Wasser schafft kein eindeutig gutes Ergebnis. Ich stelle Pflanzi wieder in das Bürofenster und hoffe, dass es ihr morgen besser geht. Pflanzen haben einen sehr hohen Überlebenswillen. 

***

Donnerstag:
Es ist 07:00 Uhr morgens. Ich schließe mein Büro sachte auf.
Laaangsaaam.
Viel langsamer als sonst.
Vorsichtig stecke ich meinen Kopf durch den Türspalt und suche nach dem 4 Komma fünf Jahre alten Symbol für beruflichen Erfolg und Glück.
Etwas Grauenhaftes liegt tot im Fenster neben dem Lavastein. Es erinnert mich an die kugeligen Dornenbüsche in den Westerfilmen, die vom Wind getrieben über den Wüstenboden rollen. 

Selbst der Kleber konnte sie nicht mehr auf ihrem Stein halten. 
Anklagend liegt sie auf dem Tisch und ihre Fühlerblätter brechen ab...

Pflanzi muss in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag gestorben sein. Vorsichtig überprüfe ich hoffnungsvoll mögliche überlebende Kleinstregionen an der Pflanze. Aber die Blätter brechen sofort ab wie Maikäferfüße im Windkanal von Mercedes Benz.
Ein Abschlussfoto wird mich erinnern… An meine Steinpflanze und an meinen beruflichen Erfolg, der nun symbolisch als grünbraune Brühe in den Katakomben Hannovers Richtung offenes Meer fließt. Machts gut, ihr zwei! 

Pflanzi´s Stein wurde als Gedenkstein in 
meinem Aquarium untergebracht. (s. rechts unten).

Fundstück der Woche

 
Stella - getroffen am Strand der dänischen Insel Römö. 
Ein Hund zum Liebhaben

Während einer ziellosen Wanderung durch die weite Welt des Internet, bin ich letztens auf eine sehr schöne Seite gestoßen, die uns das Zusammenleben zwischen Hund und Halter/in näherbringen und vereinfachen soll. Da ich keinen Hund besitze, ich mich aber schon des Öfteren gefragt habe, „wie wirkt sich das Leben mit so einem kläffenden Knäuel auf mich aus?“, habe ich mir die Hunde-Umgangsseite näher angeschaut. Nun steht erstmal für mich fest: Nein, es kommt mir kein Hund namens Beethoven oder Lassie unter den Tisch. Nicht, dass ich die Bellos nicht mag… Nein, nein! Ich möchte mir nur folgende Erfahrungsmomente ersparen. 

Ich verstehe mich durchaus mit Hunden: 
Hier teile ich mit dem dänischen Strandhund Stella 
eine kühlende Mische Cola Weinbrand

Und bitte: Das Gedankengut kommt diesmal nicht von mir!!! Ich informiere Euch lediglich über die dargestellten Handlungstips aus dem Hundeforum!

Am Anfang des Textes geht es darum, dass ein Hund krank ist. Herrchen und Frauchen wissen das. Der Hund weiß es nicht. Der Doktor verschreibt dem zotteligen, nicht gerade klein geratenen Vierbeiner Tabletten (Pillen), die er morgens und abends zu sich nehmen soll. Hier sollen die folgenden Anwendungshinweise den Hund und besonders den mutig Tablettengebenden positiv unterstützen:

1. Nehmen Sie den Hund (egal ob Pudel oder Bernadiener) in die Beuge Ihres linken Armes, so als ob Sie ein Baby halten. Legen Sie den rechten Daumen und den Mittelfinger an beiden Seiten des sabbernden Mäulchens an und üben Sie sanften Druck aus, bis der Hund es öffnet. Schieben Sie die Pille in den Rachen hinein und lassen Sie den Hund das Mäulchen schließen.

2. Sammeln Sie die daneben gefallene Pille vom Boden auf und holen den Hund hinterm Bett vor. Nehmen Sie ihn wieder auf den Arm und wiederholen Sie den Vorgang nun etwas beherzter.

3. Holen Sie den Hund aus dem Schlafzimmer und schmeißen die angesabberte Pille über ihren Rücken weg, während sie den Hund festhalten.

4. Angeln Sie die Pille aus dem Goldfischglas und den Hund hinter dem Bett hervor. Rufen Sie Ihren Mann aus dem Garten.

5. Knien Sie auf den Boden und klemmen den Hund zwischen die Knie. Halten Sie die Vorderpfoten fest. Ignorieren Sie das Knurren und die verdrehten Augen. Bitten Sie Ihren Mann den Kopf festzuhalten und ihm ein Holzlineal in den Hals zu schieben. Lassen Sie die Pille auf dem Lineal hinunterkullern und reiben Sie den Hals des Hundes.

6. Holen Sie den Hund hinter dem Vorhang hervor. Nehmen Sie eine neue Pille aus der Packung. Notieren Sie sich, ein neues Lineal zu kaufen, den Vorhang zu flicken und die zerbrochene Pille aufzusaugen, auf die sie gerade getreten sind.

7. Wickeln Sie den Hund in ein großes Badetuch. Drapieren Sie die Pille in das Endstück eines Strohhalmes. Bitte Sie Ihren Mann, den Hund in den Schwitzkasten zu nehmen, so dass lediglich der Kopf durch die Ellenbogenbeuge schaut. Hebeln Sie das Mäulchen mit Hilfe eines Kugelschreibers auf und pusten Sie ihm die Pille in den Hals. Achten sie darauf, dass auch Hunde pusten können!

8. Überprüfen Sie die Packungsbeilage, um ganz sicher zu gehen, dass die Pille für Menschen harmlos ist. Trinken Sie ein Glas Wasser, um den bitteren Geschmack loszuwerden. Verbinden Sie den Arm Ihres Mannes und entfernen Sie eventuell achtlos ausgetretene Bluttropfen aus dem Teppich nur mit kaltem Wasser und Seife.

9. Holen Sie den Hund aus dem Gartenhäuschen des Nachbarn. Nehmen Sie eine neue Pille. Stecken Sie den Hund in einen Schrank und schließen Sie die Tür in Höhe des Nackens, so dass der Kopf herausschaut. Hebeln Sie das Mäulchen mit einem Dessertmesser auf. Flitschen Sie die Pille mit einem Gummiband in den Rachen.

10. Holen Sie einen Schraubenzieher aus der Garage und hängen Sie die Tür zurück in die Angel. Legen Sie kalte Kompressen auf Ihr Gesicht und  überprüfen Sie das Datum der letzten Tetanusimpfung. Werfen Sie Ihr blutverschmiertes T-Shirt weg und holen Sie ein Neues aus dem Schlafzimmer. Hier hilft auch kein kaltes Wasser mit Seife.

11. Lassen Sie die Feuerwehr den Hund aus dem Swimmingpool des Nachbarn holen. Entschuldigen Sie sich beim Nachbarn, der mit seinem Rasenmähertraktor in den Zaun gefahren ist, um dem Hund auszuweichen. Nehmen Sie die letzte Pille aus der Packung.

12. Knebeln Sie die Vorder- und Hinterläufe mit einer Wäscheleine zusammen. Knüpfen Sie sie an die Beine des Esstisches. Ziehen Sie die Gartenhandschuhe über und öffnen Sie das Mäulchen mit Hilfe eines Brecheisens. Stopfen Sie die Pille hinein, gefolgt von einem großen Stück Fleisch. Halten Sie den Kopf des Hundes senkrecht und schütten einen Eimer Wasser hinterher, um die Pille hinunter zu spülen.

13. Lassen Sie sich von Ihrem Mann ins Krankenhaus fahren. Sitzen Sie still, während der Arzt den Mittelfinger wieder an die Hand annäht und die Pille aus Ihrem rechten Auge entfernt. Halten Sie auf dem Rückweg am Möbelhaus und bestellen einen neuen Tisch.

14. Versuchen Sie das Ganze noch einmal mit Tropfen statt Pillen. Flieht Ihr Hund jetzt wieder: Erschießen sie ihn!
Fahren Sie zum Zoo und kaufen sich eine Katze.

…Wie gesagt: Es stammt nicht aus meinem Kopf. Ich habe keinen Hund.
Mit bestem Gruß an alle kranken Vierbeiner – Haltet durch 
...und flieht nicht! Euer Eli

...und vielen Dank an die hübsche Rassehündin Stella, 
die hier für ein Fotoshooting bereitwillig zur Verfügung stand.

Die Nackte im Zug

Freundschaften gab es schon immer. Mal gute und mal weniger gute. Ich denke, jedes Land definiert seine eigene Liste der „best of friends“ und wirbt mit ihnen bis hin auf Leinwänden. Die Amerikaner definieren sie mit Cap & Capper, die Polen mit Lolek und Bolek, Marge Simpson mit Homer und seinem Donut und die Italiener mit Bud Spencer und Terence Hill.
Auch ich habe so ein besonderes, bestes Kumpelchen. Grund genug um ihm hier einen kurzen Post zu spendieren. Ich musste ihm allerdings vorher versprechen, dass ich einige Bedingungen einhalte, damit ich etwas über ihn schreiben darf:

1.)  Keine Geschichten über sein familiäres und privates Umfeld (schade)

2.)  Keine Beleidigungen und keine Diffamierungen (wieso das denn?)

3.)  Kein Petzen über sein Verhalten in Restaurants (so´n Mist! Denn das muss man erlebt haben. Besonders, wenn er 500 Mini-Zwiebelstücke aus seinem Fleischsalat aussortiert).

4.)  Keine Veröffentlichungen unserer Emailinhalte (doofes Datenschutzgesetzt – man kann sich aber auch anstellen)

5.)  Ich darf die Bedingungen hier nicht nennen… (…ups!)

6.)  Ich darf nicht verraten, dass er zu einem türkischen 8,00 Euro Friseur geht, der im die Ohrhaare mit offener Flamme abbrennt. (Doppel-ups!!).

Ich würde es ja wieder löschen, aber die „Entfernen-Taste“ an meinem Laptop funktioniert zur Zeit nicht. Zufälle gibt’s …

Mein Kumpelchen und ich kommen grad von einer Sitzung im Norden von Hamburg und rauschen im Großraumabteil des ICE nach Hannover.
Die Zugbegleiterin prüft lächelnd unsere Fahrkarten und entschwebt unseren fest eingerasteten und hypnotisierten Augen. Natürlich sind wir der Meinung, dass sie uns nur deshalb angelächelt hat, weil wir zwei unwiderstehliche Endvierzigermännchen sind.
*Huch, ich hab schon wieder diese Halluzinierkrankheit. (Ich werde sie aber erstmal nicht behandeln lassen – oooh nein, viel zu teuer. Ich bin Kassenpatient).
 
Wir passieren den Bahnhof Harburg und ich erkenne nun deutlich den nickeligen Überkräusel-Blick meines Kumpels. Dieser Blick besagt in der Regel, dass er den Zustand einer ausgelaufenen Batterie angenommen hat und sein Energiehaushalt in der nächsten Stunde aufgeladen werden muss. Kurz gesagt: Das Sandmännchen ist meinem Kumpelchen soeben mit Schallgeschwindigkeit durch die Augen gesurft.
Immer dasselbe Spiel mit ihm! Erst volle Attacke aus allen Rohren und dann einnicken. 

 Was mach ich bloß so ganz verlassen?
Am besten erstmal ein paar Faxen. Er merkt ja nix...

Na toll! Jetzt sitz ich hier mental verlassen und bereite mich auf eine folgende, superlangweilige Stunde vor.
Am besten, ich sinnier vor mir hin.

…sinnier

Grübel Grübel…

…sinnnniiiiiieeeeerrr

Grummel grummel…

Schon überfallen mich die ersten Schnarcher von meiner rechten Sitzflanke, die sich von Geräuschen eines säuselnden Gebirgsbaches bis hin zu einer durchgeknallten Schreddermaschine im Sägewerk entwickeln. Und das alles schafft er sogar mit geschlossenem Mund.
Der schnelle Tunneltampon mit der roten DB Aufschrift untermalt den Schnarchrhythmus meines Kumpelchens mit monotonen Abrollgeräuschen in allen Weichen- und Baustellenbereichen.

Kalunkatong…  Kalunkaton…  Kalunkaton…
Rünkeldünkel… Rünkeldünkel
Schraballaluk… Kalunkatong…  Kalunkaton…  Kalunkaton…

Dazu kommt das zu einem gewaltigen Creszendo ausartenden Schreddergeräusch von meiner Steuerbordseite.

Chhhhrrrrr
Rochel rochel rochel
Hatzepüüüüühhhh
Chhhhhrrrrrrrr
Rochel rochel rochel

Langsam gehen mir die Faxen aus...

Ich überlege, ob ich ihm die Nase mit einer Büroklemme – ähnlich einer Sofortmaßnahme gegen brennende Ölbohrlöcher – verschließe. Ich habe zufällig noch eine von diesen neuartigen Büroklammern in der Tasche.
Aber ich genieße lieber die bewundernden Blicke der Mitreisenden, deren volle Aufmerksamkeit er sich nun in kürzester Zeit erkämpft hat.

Chhhhhrrrrrrrr
Rochel rochel rochel

Kumpels lustig flatternde Nasenflügel lassen mich wissenschaftliche Fragen aufwerfen.
Warum bohrt man(n) eigentlich immer nur mit dem linken Zeigefinger im linken Nasenflügel und im rechten Nasenloch nur mit dem rechten Zeigefinger herum?
Gedankenverloren versuche ich wie ein Schwenkarmroboter im Opel Lackierwerk mittels meines linken Fingers in meine rechte Nasenhöhle vorzudringen. Bevor ich merke, wie blöd ich eigentlich dabei aussehe, stellt es bereits die Zugbegleiterin fest. Sie hat nur drei Meter vor mir im Gang geankert und scheint auf dem Waggonboden fest eingerastet zu sein. Jedenfalls bringt sie auch nicht der stärkste Schlenker des Zuges aus dem Gleichgewicht. Peinlich lasse ich sofort von meinem Rüssel ab und verstecke meinen sündigen Bohrfinger in meinem Schoss. Es ist besser, ich konzentriere mich auf weitere ungelöste Fragen der Menschheit.
 
Auf den teilweise parallel führenden Autobahnen und Bundesstraßen zieht sich der Verkehr wie der glibberige Spuckefaden eines Faltenhunds dahin. Zu den Ostertagen soll es neue Megastaus geben. Himmel Herrgott - warum also finde ich selbst zu diesen Feiertagen keinen Parkplatz vor der Haustür? Ein weiteres ungeklärtes Phänomen.

Mir gehen die Menschheitsfragen aus. Meiner einer wird so langweilig wie einem Engerling während der Verpuppungsphase und ich erinnere mich an drei aktuelle Gegebenheiten...
1.     daran, dass ich meine kleine Kompaktkamera dabei habe.
2.     daran, dass in der Bildzeitung ein nackeliges Pinupgirl abgebildet ist
3.     daran, dass die Partnerin meines Kumpelchens (wie meine auch) unbegründet eifersüchtig werden kann.

Nu heißt es: Absolute Ruhe und Konzentration im gesamten Waggon!

Fluchs flüchtet meine Langeweile wie Wachs von der Kochplatte. Wenn das nicht drei Glückstreffer sind, die meine Weiterfahrt angenehmer gestalten sollten! Ich knicke die BILD Zeitung auf die Größe des darin enthaltenden Nacktfotos und versuche den pikant freizügigen Ausschnitt auf seinem Bauch zu platzieren. 

Jaaa… Soooo… So ist recht! Fertig!!!


Ungewöhnliche Fotos erfordern ungewöhnliche Mittel!

Nun sieht es aus, als wäre er bei der Lektüre über brünette Frauen überglücklich eingeschlummert. Ich muss mich zusammenreißen, nicht laut loszulachen oder ihm ins Gesicht zu prusten. Es gluckst schon in meinem Hals. Auch die Mitreisenden haben ihre helle Freude an meinen Ideen und der „Nackten Tatsache“, die sich nun lustvoll auf dem Bauch meines Kumpels räkelt.
Jaaaaaa… Endlich ist Stimmung im Großabteil der Deutschen Bahn!

Und schnell nochmal den flinken Auslöser gedrückt. 
Hi hi... pruuust... Ich hau mich weg!

Gerade will ich zu seinem neuen Papieroutfit ein witziges Malerhütchen basteln und ihm aufsetzen. Aber es ist leider zu spät.
Nach einer nur 10minütigen Fotosession löst die Zugbegleiterin unsere fidele Runde im Waggon 9 auf. 
Sie bietet uns leckere Schoko-Knusperkugeln an. Grund genug für das Unterbewusstsein meines Kumpelchens, die Aufwachphase auf der Stelle einzuleiten.

Der Zug erreicht pünktlich die niedersächsische Landeshauptstadt. Einige Mitreisende applaudieren. Auf Nachfrage bestätige ich meinem Kumpelchen, dass auch ich die meiste Zeit geschlafen habe und die Fahrt ansonsten langweilig und ohne besondere Zwischenfälle gewesen ist. Keine Ahnung auf was die Klatschen!

Na, wenn der wüste… 

Nachsatz: Hallo Kumpelchen! Wenn Du das hier liest, dann erinnere Dich BITTE daran, dass zwei Deiner superpositiven Eigenschaften folgende Charakterzüge beinhalten:

1.)  Du kannst mir in jedem Fall verzeihen, wenn hier Schnarchfotos mit Nackedeis von Dir veröffentlicht werden!

2.)  Du wirst keine Rache an mir schwören!

Jetzt ist mein Gewissen wieder beruhigt. Na geht doch! Danke!!! :-D

Frankfurt im Fokus

Ich begebe mich heute auf große Fahrt. Nein, nein, nicht auf große Hafenrundfahrt beim Urologen. Mein Arbeitgeber lädt mich von Hannover ins Fasenachtszentrum Mainz, um mich mit seinen neuesten Gedankenspielen zwecks Umgestaltung seiner Firma zu begeistern.
Selbst nach vier Stunden monologischer Selbstbeweihräucherung ist meine Begeisterung nicht größer als ein liegengebliebener Mungobohnenkeimling im Sushi-Restaurant.

Auf der Rückreise ergibt sich eine knappe Stunde Aufenthalt in Frankfurt, bis mich die weiße Rakete der Deutschen Bahn wieder nach Hannover befördern soll. 
Ich tue das, was (fast) alle deutschen Männer in Frankfurt tun, wenn sie es nicht eilig haben. Ich schlendere die Kaiserstraße entlang.
Seit fünfundzwanzig Jahren war ich nun nicht mehr in dieser Gegend. Und ich stelle zwei erhebliche Unterschiede zwischen den wilden 80ern und dem heutigen Tage fest:

1.     Das Viertel ist gesäubert worden, wie mein alter Ford, der sich eine Woche lang in der Waschstraße verkeilt hat. Es gibt Frauenparkplätze und Passagen, wo man weder beraubt noch bedroht wird. Keine Clubs, in denen man in fünfzehn Minuten so viel Geld an den Mann (oder an die Frau) bringt, wie man in einem Monat nicht durch ehrliche Arbeit wieder reinbringen kann.

2.     Es bildet sich über den Dächern von Frankfurt etwas ab, was auf den 80er Jahre Postkarten erst mit teuren Bildbearbeitungsprogrammen oder durch Van Goch eingefügt werden musste. Es ist… Ja… Jaaaa… Jetzt erkenne ich es ganz deutlich. Tatsächlich! Es ist… ein blauer, wolkenloser Himmel im April!  
  
Dieses unglaubliche Ereignis muss ich festhalten und zupfe meine Taschenkamera. Ich reiße begeistert den Kopf hoch – auch, wenn es gefährlich in den Bandscheiben kracht – um die blaue Sphäre und die Spiegelungen in den Hochhausfronten zu genießen.
Die Fotos von den zwei schönsten Hochhäusern stelle ich gleich für Euch ein. 
(Beim Anklicken vergrößern sie sich).

Meinen lieben Leserinnen und Lesern die sonnigsten Grüße aus Frankfurt! Tschüüü…  

 Alt und neu in Harmonie
 
Im rechten Haus liegt mein Geld...


Wie kriegen die nur die Spiegel und Fenster sauber? 
Ich schrubbe mir zu Hause ständig ´nen Wolf.


Linkes Haus: Dach mit Taubenlandeplatz.
Rechtes Haus: Dach mit Hubschrauberlandeplatz.


Spieglein Spieglein an der Wand,
wer hat das höchste Haus im Bundesland


Der Turmbau zu Babel

So schnell geht das. Kaum hat man sich für Kinder entschieden, da sind sie wenige Lebensaugenblicke später auch schon erwachsen geworden und feiern ihr 17jähriges Bestehen. Meine Tochter plant bereits seit zwei Wochen ihre Geburtstagsfeier. Ganze 4 Tage sollen die Feierlichkeiten anhalten und sprengen damit den Zeitraum der Fete von Neil Armstrong, Edwin Aldrin und Michael Collins, als sie mit Apollo 11 heile vom Mond zurückgekehrt sind. 
Ich habe mich entschieden, die bucklige Verwandtschaft weit jenseits der 60 zu betreuen, damit Töchterchen Zeit hat, sich mit ihren Freundinnen und Freunden ihres Alters zu beschäftigen.
Kuchen, Torte, Hausschnaps, fertig! Alles da für Oma und Opa Lohnde und Oma Seelze. Meine Kinder benennen ihre Verwandten nach den Orten, in denen sie leben. Ich bin froh, dass niemand im amerikanischen Chelmsfort Massasusetts oder gar in der walisischen Stadt mit dem unaussprechliche Namen Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch wohnt.

Mich würde interessieren, was ein Navi anzeigen würde...

Punkt 16:30 warnt die Türklingel, dass die erwarteten drei Eindringlinge mit einem Gesamtalter von 230 Erdenjahren bereits vor der Eingangstür stehen.
Zehn Minuten später füllen sich bereits die Teller mit Fanta- und  Mandelkuchen. Opa Lohnde schiebt lustlos seinen Teller über den Tisch und wartet auf den Hausschnaps, der noch im Schutz des dunklen Kellers auf seinen Einsatz wartet.

Oma Seelze beginnt das Gespräch wie immer damit, dass sie nicht versteht, dass sie schon wieder zugenommen hat und klatscht sich während ihrer ernstgemeinten Ansprache den Teller mit dreitausend Kalorien pro Quadratzentimeter voll.
Oma Lohnde saugt derweil den Kuchen mehr ein, anstatt ihn zu essen. Sie hat neue Zähne. Der Zahnarzt hat nicht gut gearbeitet und ihre künstliche Beißfront versucht unentwegt, frontal aus ihrem Mundraum zu flüchten.
Wie ein Battalion von aufgereihten Mähdreschern ziehen die Buckligen ihre Schneisen durch die auf dem Tisch befindlichen Sahneleckereien. Weitere zwanzig Minuten später sind von der meisterhaften Backarbeit nur noch staubkorngroße Krümel übriggeblieben.

Oma Seelze: Hat ihrer Meinung nach - vollkommen unschuldig - ein 
paar Kilo zu viel auf den Rippen...

Nun beginnt der gemütliche Teil der Pensionärsversammlung. Die kleinen Gläser füllen sich und die Gäste meiner Tochter auch.
In der Folge geschieht etwas, was bei jedem Treffen des hiesigen Ältestenrates zu beobachten ist. Sei es bei einem Geburtstag, nach einer Beerdigung oder während anderer wichtigen Verabredungen. Nur eine halbe Stunde nach Zufuhr aller zur Verfügung stehender alkoholischer Ingredienzien, geht es zu wie während des bibelhaften Turmbaus zu Babel. Jeder Gast spricht eine andere Sprache. Dieses Phänomen ist nur schwer zu erklären, bzw. zu umschreiben. Ich habe allenfalls die Möglichkeit einen 10minütigen Gesprächsauszug wiederzugeben, damit Ihr versteht, was ich meine… 
Noch sehe ich normal gesprächs- und aufnahmebereit aus, fühle mich gut und eröffne das Gespräch mit dem Thema Wetter. 

Eli: Noch fühl ich mich gut!

Das Thema Wetter bildet die Eröffnung eines jeden Gespräches und ist so wichtig wie der vorentscheidende Eröffnungszug beim Schach.
Ich warte gespannt auf den Gegenzug…
Opa räuspert sich und schiebt sein Hörgerät in die richtige Position.
Oma Lohnde verarbeitet die Worte wie ein Computer mit Lochkarteneinschub.
Oma Seelze springt am schnellsten an.

Oma Seelze:
„Ja. Das Wochenende soll warm werden.“

Opa Lohnde:
„Wa?“

Oma Seelze:
„Das Wochenende!“

Oma Lohnde an Opa Lohnde gerichtet:
„Es soll warm werden! Sind die Batterien vom Hörgerät schon wieder leer?“

Opa Lohnde:
„Du spinnst doch.“

Oma Lohnde:
„Kann doch sein!
Quatschkopp!“

Oma Seelze (ein weißer Sahnebach läuft unbemerkt aus ihrem rechten Mundwinkel am Kinn herunter):
„Vielleicht sind sie ja tatsächlich alle.“

Oma Lohnde:
„Bianca hat ja auch bald Geburtstag.“ (Bianca ist ihre 2te Nichte)

Opa Lohnde:
„Wo?“

Oma Lohnde:
„Na in Dortmund. Die will ja jetzt auch nach Frankfurt ziehen.“

Opa Lohnde:
„Wer? Du? Ach so. Bianca. Ja.“

Oma Seelze:
„Da soll es ja auch schön werden.“

Opa Lohnde:
„Die wohnt doch nicht in Frankfurt. Die wohnt in Dortmund.“

Opa Lohnde im Einsatz. Jetzt läuft er warm...
Oma Lohnde:
„Aber wollte sie nicht wegziehen? Arbeitet ihr Mann nicht in Frankfurt.“

Oma Seelze an mich:
„Hast Du eigentlich ein Telefon in Deinem Büro? Kann ich dich da auch anrufen?“

Ich:
„Natürlich hat mein Büro ein Telefon. Wenn nicht, wäre es ja auch eine Werkstatt.“

Opa Lohnde:
„Die arbeitet doch in Dortmund!“

Oma Seelze:
„Dann ruf ich dich mal an.“

Oma Lohnde:
„Aber ER arbeitet in Frankfurt.“
 
Ich an Oma Seelze (mit der jetzt 6 Zentimeter langen Sahneschleimspur am Kinn):
„Ja! Mach das. Ich habe die Durchw…“

Opa Lohnde:
„…Ich habe ein neues Handy. Du kennst Dich doch da aus.“

Ich:
„Ich kenne mich nicht mit allen Handys aus. Auf meiner Stirn steht ja nicht Telekom. Was haste denn für Probleme?“

Opa Lohnde (zuckt sein neues Nokia Touch Screen Handy aus der Tasche):
„Ich habe noch keine Dings auf diesem Telefon. Und das kann doch das.“

Ich:
„Was kann das? Beamen?“

Opa Lohnde:
„Lieder.“

Ich:
„Ach so. Ja. Das hat einen MP3 Player installiert.“

Oma Lohnde:
„Was hat das? Haste schon wieder ne Technik gekauft, die de nicht verstehst?“

Opa Lohnde:
„Halt dich doch aus den Sachen, raus, die DU nich verstehtst.“

Ich:
„Wir brauchen ein USB Verbindungskabel.“

Oma Seelze:
„Ich brauch auch ´n neues Kabel. Der Strom wird immer teurer.“

Oma Lohnde:
„Bianka zahlt für ihre Wohnung viel zu viel.“

Opa Lohnde:
„Ich habe keine OB Kabel.“

So schaute ich nach dem Satz mit dem OB-Kabel!

Ich (an Oma Seelze)
„Das hat mit deinem Kabel nichts zu tun. Du musst schauen, welcher Stromanbieter am günstigsten ist.“

Oma Lohnde:
„Wir zahlen nur das, was wir verbrauchen.“

Opa Lohnde:
„Du spinnst doch.“

Oma Seelze:
„Der Strommonteur ist letztens bei uns im Haus vorbei gekommen und er hat sich mein Telefon NICHT angeguckt. Obwohl ich ihn darum gebeten habe!“ (Sie zieht mit ihrem Mundwinkel in ein Schippchen-Winkel).

Ich:
„Was hat der Hauselektriker mit deinem Telefonanbieter zu tun?“

Oma Seelze:
„Ja wat weiß ich.“

Opa Lohnde:
„Ist sowieso alles gleich teuer.“

Ich:
„Ich haben fürs Haus eine Rechnung des alten Stromanbieters von 30,00 Euro bekommen. Ich weiß nicht wofür. Der Stromanbieter wurde bereits vor zwei  Jahren gewechselt. Von “Stadtwerke“ auf “EeasyStrom“.“

Oma Seelze:
„Machen die auch mein Telefon?“

Oma Lohnde:
„In Frankfurt gibt es auch Stromanbieter.“

Opa Lohnde:
(Schaut nur auf Oma Lohnde. Verwirrter, verständnisloser Blick).

Oma Lohnde:
„Ich meine ja nur.“
 
Opa Lohnde:
„EasyStrom ist doch Strom!“

Ich:
„Jaaaaa!“

Opa:
„Stadwerke ist doch auch Strom!“

Ich:
Mein Reden seit 33!

Oma:
„Oh Gott! Ist es schon wieder so spät?“

 Oma Lohnde: Die Zahnfront schiebt sich 
schon wieder langsam Richtung Ausgang...

Opa Lohnde:
„Dann ist das mit den dreißig Euro bestimmt Strom.“

Ich:
„Ich glaub, mein Kittel brennt.“

Oma Seelze:
„Hunde sind schon etwas tolles.“

Ich:
„In manchen Ländern gehören die zu jedem guten Essen dazu.“

Opa Lohnde:
„Und wie bekomme ich jetzt das Dings auf mein Handy?“

Oma Lohnde:
„Bianca hat auch Musik auf ihrem Handy. Ob das auch in Frankfurt funktioniert?“

Oma Seelze:
„Wieso? Hören die da nicht dieselbe Musik wie in Dortmund?“

Opa Lohnde:
„Ich will aber nicht diese Hottentotten drauf haben.“

Oma Lohnde:
„Die Gruppe kenn ich gar nicht.“

Ich:
„Ja, klar! Ich klatsch dir den ganzen Speicher mit Wiener Walzer voll.“

Oma Lohnde:
„André Rieu ist schon toll. Und wie der spielen kann.“

Oma Seelze:
„Der hat ja auch Hunde.“

Opa Lohnde:
„Ja, oder Polka oder so.“

Ich:
„Kann ich dir alles drauf ziehen.“

Oma Lohnde:
„Der Rieu spielt nur ganz wenig Polka.“

Opa Lohnde
„Der Freund vonne Bianca hat ja auch Hunde.“

Oma Lohnde:
„Aber auch ganz viel Walzer!“

Oma Seelze:
„Wer? Der Freund?“

Oma Lohnde:
„Nein. Der andere“

Ich:
„Sie meint Rieu.“

Opa Lohnde:
„Bianca ist doch nicht mit dem Rieu zusammen. Der heißt doch anders.“

Oma Lohnde:
„André Rieu heißt der. Rieu! Der mit der Geige.“

Oma Seelze:
Wer jetzt? Der Stromanbieter?

Ich:
„Neeeeiiiiiiin!“

Nach 10 Minuten staune ich nur noch. 
Und weiß auch nicht mehr, worum es eigentlich geht.

Oma Seelze:
„Der sollte nach meinem Telefon gucken, weil der gerade zufällig im Haus war. Hat der nicht getan. Versteh ich nicht!“

Oma Lohnde:
„Was?“

Opa Lohnde:
„Wer?“

Oma Seelze:
„Wie jetzt?“

Ich:
„Ich mag nicht mehr…“

Drei Stunden, zwanzig Gesprächsthemen und vier Flaschen Waldmeisterschnaps später, löste sich die Geburtstagsgilde auf. Oma Lohnde gratuliert meiner Tochter zum Abschluss nochmals zu ihrem achtzehnten Geburtstag (obwohl sie ja ihren 17ten feiert).
Die Tür fällt ins Schloss.
Wellen der Ruhe breiten sich so rasant aus wie die Druckwelle einer Wasser-Mine.
Geschafft! Es ist wieder ruhig. Ich setze mich auf einen der leeren Stühle. Er gibt noch die Wärme des kurz zuvor darauf geparkten Hinterteils von Oma Seelze ab.
Ich freue mich schon auf Dezember. Dann hat Sohnemann Geburtstag. 
Na denn... Prost!