Pulleralarm

Meine Bekannte schimpft mal wieder mit mir. Nicht besonders laut und auch meist nur in Gedanken. Aber sie schimpft. Ich würde nicht genug trinken und so. Dabei wehre ich mich mit der Erklärung, dass ich erst gestern den Abend in Ullis Sportsbar verbracht und getrunken hab, was das Zeug hält.
Aber das wäre natürlich nicht gemeint, sagt sie. Ich müsse mindestens zwei bis drei Liter Wasser oder Tee am Tag zu mir nehmen. Sonst trocknet der Körper aus und ich kann mich weder ausreichend konzentrieren, arbeiten, denken, tief schlafen, Sport treiben oder wunschgemäß abnehmen. Damit aber nicht genug, denn…
ganze Körperregionen fallen aus, Organe implodieren, die Haut vertrocknet oder die Libido bleibt für immer verschollen, würde ich mich nicht an einen gesunden Trinkrhythmus gewöhnen.

Wie viel trinke ich wirklich? 
Ein verblüffendes Ergebnis liegt vor mir...

Bevor mir also irgendwelche wichtigen Körperteile wie vertrocknete Kastanienblätter im Herbst vom Rumpf abfallen, nehme ich ihre Warnung ernst.
Vorerst gilt es deshalb festzustellen, wie viel ich tatsächlich pro Tag an Flüssigkeit zu mir nehme. Ich stecke mir ein Zettelchen in die Tasche um tagesaktuell zu protokollieren, wie hoch mein Verbrauch auf 24 Stunden ist.
Nun sitze ich am Ende eines trinkereignisreichen Tages staunend über meinen Auswertungen. Ach Du heiliges Kanonenrohr, das Ergebnis ist klar:

ICH TRINKE ZU VIEL!

Wer hätte das gedacht. Meine Aufzeichnungen sind klar und sauber gegliedert. Ein Irrtum scheint ausgeschlossen. Aber urteilt selbst, was mein akribisch geschriebenes Trinkprotokoll über die letzten sechs Stunden wiedergibt:

10:00 Uhr – 1 Tasse Tee:                          0,1 Liter

11:00 Uhr - 1 Glas Wasser:                      0,2 Liter

12:00 Uhr – 1 Suppe (dünn)
Suppenanteile Fest zu Flüssig 1:10
Gewicht der Suppe: 1 Kilo
Wasseranteil demnach:                             0,9 Liter


15:00 Uhr – 1 Eis
Marke Flutschfinger
Wasseranteil nach der Schmelze:              0,1 Liter


17:30 Uhr – noch ´n Eis
Marke Cola Schluptüte
Wasseranteil nach der Schmelze:              0,2 Liter

Dazu kommt weiter…

Seit heute Morgen um 10:00 Uhr habe ich ca. 16mal geschluckt.
Nur so – ohne Essen im Mund.
Speichelvolumen pro Schluck ca.              0,05 Liter
Das ergibt einen Gesamtspeichel von        0,8 Liter Spucke


Es ist jetzt 18:00 Uhr und diese Rechnung beweißt summa summarum:
Ich habe ganze 2,3 Liter in nur 6 Stunden zu mir genommen.
Schlafen tu ich im Schnitt 6 Stunden pro Nacht.
Das macht im Endergebnis innerhalb 18 Stunden einen Tagesschnitt von

6,9 Liter!

Das ist mehr, als manch Zimmerspringbrunnen im Kreis pumpen kann!!!

Genau 6,9 Liter passen in diese Tassen und Flaschen

Ich trinke viel zu viel. Jetzt wissen wir, warum ich mich oft wie diese grünen Glibber – Ostseequallen fühle, welche im Urlaub immer so zutraulich tot um meine Füße herumwabern.

2518 Liter im Jahr heißt so viel wie, dass ich in 10 Jahren einen ganzen Fischteich leer saufe. Aus Erfahrung weiß ich, dass ich nach 0,3 Liter Input zur Toilette eilen muss. Diese liegt im Schnitt 15 Meter von meinem Trinkareal entfernt.
Ich lege ergo allein für das Wasserlassen innerhalb von 50 Jahren einen Weg von 
2518 Liter : 0,3 Liter x 50 Jahre x 15m = 

6295 Kilometer zurück! 

Ich erpuller mir somit in nur 50 Jahren eine Laufstrecke 
von Hannover bis hinter New York.
Und da sagt man immer, wir Männer würden uns nicht genug bewegen!

Nein, so kann es nicht weitergehen. Bevor ich zum gelben Tintenfisch mutiere, ziehe ich die Reißleine, trinke weniger oder kippe auf jedes getrunkene Glas Wasser einen Sack Basmati Reis.
Denn - mit Verlaub - so viel wie ich, trinkt nicht einmal ein Kamel mit sechs Höckern!
Natürlich bleibt der Protest meiner Bekannten nicht aus. Nur wenige Minuten nach Ergebnisbekanntgabe meines Trinktestes habe ich sie telefonisch über die nackte Wahrheit informiert.

„6,9 Liter!“, sage ich. „Willst Du mich ersaufen?“

Ich warte.
Die Ruhe am anderen Ende der grauen Sprechmuschel währt nur Sekunden.

Ich lasse mir erklären, dass meine Berechnung auf Irrtümern und Wunschvorstellungen beruht. Ich MUSS immer noch mehr trinken, ist ihre Aussage.

Ich blättere während ihrer sprichwörtlichen Zerlegung und Vernichtung meiner genauen Analyse in der Tageszeitung herum und stolper über einen interessanten Artikel auf Seite Neun.  Dieser lautet:

„Muss ich wirklich 3 Liter Wasser am Tag trinken?“


...und weitere Fragen rund ums Wasser


Frei übersetzt steht hier klar und deutlich, dass es nicht nachvollziehbar ist, sich in seinem Leben so viel Flüssigkeit durch den Kopf gehen zu lassen wie der Hoover-Damm in seinem Speicherbecken aufnehmen kann. Dieses führt nur zu Leistungsminderung, Übelkeit und Müdigkeit während der Arbeit, beim Hobby und im Schlafzimmer.
Also – das erste ist mir ja noch egal. Aber dann hört der Spaß auf!

Ich nehme mir vor, auf meine Gesundheit zu achten und nur noch einmal im Monat mehr als einen Liter Flüssigkeit am Tag zu mir zu nehmen. Denn Ullis Sportsbar hätte es nicht verdient, dass ich schon nach einem Bierchen die Rechnung bestelle. Außerdem liegt seine Toilettenlandschaft „nur“ 10 Meter vom Tresen entfernt. Was für eine Erleichterung für die nächsten 50 Jahre!!!
Na denn Prost, meine Lieben!    

Wers nicht glaubt
oder zu viel trinkt,
wird hier gelinkt ;-)…

Eine Zahnfee dreht auf


Es ist achtzehn Uhr und der Drei Vier meldet ein Problem. Mit Drei Vier meine ich nicht etwa das Beiboot vom Zollschiff Möve Null Eins. Nein, nein. Es ist mein Zahn, der seit Jahrzehnten eher unauffällig die übriggebliebene Drecksarbeit der Backenzähne Drei Sieben und Drei Sechs erledigt. Seit Jahren schieben sie die Arbeit unauffällig auf den kleinen Wurzelzwerg ab. 
Aber nun scheint erst einmal Schluss damit zu sein. Der, der in seiner goldenen Jugend selbst die hartnäckigsten Kronkorken von unzähligen Bierflaschen runterreißen konnte, meldet sich eindrucksvoll und schmerzhaft zu Wort. Mitten aus seiner lebensfeindlichen und dunklen Welt aus Essensresten, Verdauungssäften, geifernden Spuckedrüsen und schädlichen Kariessäuren.

Es ist Freitag. Natürlich! Was auch sonst?! Zähne melden immer freitags dem Benutzer ihre Probleme. Niemals montags. Immer nur freitags oder zum langen Osterwochenende auch schon mal samstags. Meistens beinhaltet diese Meldung den Text „Achtung – fremde Wurzelkanal Eindringlinge“. Oder ein Problem mit der Statik, wenn plötzlich ganze Artefakte wie von einer gesprengten Pyramide an einer Zahnkante herunter brechen.
   
Ich reiße die Erste Hilfe Schublade auf der Suche nach Erlösung aus dem Schrank und schaue nach brauchbaren Schmerztabletten. Zäpfchen gegen Erbrechen, Salbe gegen Mückenstiche, Prinzessin Lillifee Heftpflaster, aber keine Medizin, mit der sich mein Zahn wenigstens für das Wochenende ins Koma befördern ließe.
Ich schmeiße ein paar Milliliter hochprozentiges Klosterfrau Melissengeist auf den tobenden Rebell, bis sich kleine Hautfetzen von den inneren Wangen und vom Zahnfleisch lösen. 
Nun tut mir die gesamte Gusche weh. Die ganze scheiß Fressleiste brennt wie eine Raketenabschussbasis in Französisch Guayana. 
Aber der Zahn selbst ist jetzt ruhig. Etwas zu ruhig für meine Begriffe. Vielleicht habe ich ihn sogar getötet. 

***

Nu ist es schon Dienstag und ich bin auf dem Weg zu meinem Zahnarzt. Oder genauer gesagt, zu der Gemeinschaftspraxis, in der er praktiziert. Ich kenne ihn seit Jahren und nenne ihn Doktor Wurst. Doktor Wurst hat Finger in der Größe deutscher Grillbratwürste. Nur ein einzelner Finger seiner Hand füllt meinen Mundraum bereits zur Gänze aus. Bei zweien wird es kritisch und meine Mundwinkel fangen an, einzureißen. Dieses kann bei einem größeren Einsatz zum Problem werden, wenn sich zu seinen Fingern noch ein Bohrer und der röchelnde Spuckesauger der Zahnarzthelferin gesellt.

Aber Doktor Wurst hat heute Urlaub und mein Melissengeistzahn wird bereits von seiner jungen Vertretung erwartet. Eine frisch studierte Zahnrestaurateurin die erst halb so alt erscheint wie der schmerzende Drei Vierer. 

Die von mir naturgetreu nachgestellte Szene 
zeigt die Zahnärztin mit ihrem Ruffel- und Rumpelbohrer.
Den kennen alle...

Um sich herum versammeln sich ihre drei Assistentinnen. Wie Tick Trick und Track formieren sie sich staunend am Kraterrand meines geöffneten Mundraumes.
Nach einer kurzen Untersuchung der gesamten Speisen-Verarbeitungsanlage geht es denn auch schon los. 
Frau Doktor Zahnfee läst den großen Ruffel- und Rumpelbohrer klickend in die Antriebsturbine in ihrer Latexhand einrasten und ihn wie ein Motorrad beim Start einmal kurz aufbrüllen.

RRRRRRRRRiiiiiiiiiiiiäääääääääääärrrrrrrrrrrr

Ein geheimnisvolles Lächeln legt sich um die Lippen der Ärztin. Langsam führt der Weißkittel den Großkopfbohrer an den restlichen Zahnschmelz meines Drei Vierers heran und reißt meinen Kopf dabei in die gewünschte Richtung. Sogleich sammeln sich mehrere gefühlte Kubikmeter von ganzen Spuckeseen im hohlen Rachenraum, der das Geräusch des Bohrers nun wie ein Betonrohr verstärkt.

RRRRRRRRRRRRRRRiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiääääääääääääääääääiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii

Unbarmherzig fräßt sich der grobe Schnellläufer in den Drei Vierer. Einzelne Zahnfragmente schießen aus meiner Mundhöhle heraus und werden von meinen angstgeweiteten Pupillen bei ihrem Weiterflug verfolgt.

„Wenn es irgendwann weh tut, dann bin ich schon sehr weit am Nervenkanal dran. Dann gebe ich ihnen eine Spritze. Sagen sie mir bitte Bescheid, wenn es schmerzt! Ich werde aber versuchen, so wenig tief wie nötig zu bohren“

Mein Mund ist voll. Wie um alles in der Welt soll ich mich artikulieren, wenn es schmerzt? Der Spuckesauger saugt und bläst. Er saugt und bläst und saugt und bläst. Er saugt mir den Mundraum trocken wie ein Schlammsauger für Koiteiche. Gleichzeitig bläst er mir den Eins Sechser kalt, bis er schmerzt. Ich weiß nicht warum er gleichzeitig bläst, aber er tut es.

„Ouuuuoooohhhhh, Ouuuuoooohhhhh“, quellt mein Schmerzschrei undeutlich zwischen den aufgerissenen Kiefern hervor.
„Ouuuuoooohhhhhoooouuuuoooohhhhh!!!“

„Das kann ja noch gar nicht weh tun! Lassen sie uns ruhig noch ein bisschen weiterbohren. Dann haben sie es auch bald geschafft.“, höre ich die Stimme der Ärztin wie hinter einem nebligen Schleier aus Filterwatte.

Auch Tick, Trick und Track haben sich nun in Ekstase gearbeitet. Sie halten mir mit 4 Händen den zitternden Kopf in Position wie in einem Schraubstock. Gleichzeitig drehen sie den Spuckesauger in solch eine Position, sodass er mir direkt mit eiseskalter Luft in ein offenes Kariesloch meines Eins Sechser bläst.

„Ouuuuoooohhhhhooo! Ouuuuuuuuuuoooohhhhhooooooooo!!!“

Ich kriege Panik! Wild ziehen sich die Schmerzen nun durch mein gesamtes Beißgelände. Fast alle 28 Zähne scheinen nun gegen ihren Träger protestieren zu wollen. Nur mein Drei Vierer nicht. Der hat genug zu tun in seinem Kampf gegen den Großkopfbohrer, welcher sich immer weiter wie eine Bergwerksbahn in sein innerstes hineinfräst. Jetzt dreht die Zahnfee erst richtig auf.

RRRRRRRRRRRRRRRiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiääääääääääääääääääiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii
„Ouuuuoooohhhhhoooouuuuoooohhhhh!“
RRRRRRRRRRRRRRRiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiääääääääääääääääääiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii
„Ouuoooouuuuuoooohhhhhoooouuuuoooohhhhhoooooooooo!!!“

Wieder höre ich die Stimme der Ärztin.
„Das kann doch nun nicht sooo schlimm sein. Wir sind auch gleich fertig.“

Warum versteht mich hier eigentlich niemand, geht es mir zäh wie kaltes Labskaus durch den Kopf? Ohne auf mein unentwegtes Hilfegegluckse zu hören, setzt die Zahnfee ihren Kampf gegen den Kariesfraß fort und eine ganze Gischtwolke aus einem Gemisch von Zahnteilen und Bohrerkühlwasser spritzt aus meinem Mund wie aus einem isländischer Geysir.
Ein Tränenschleier zieht sich über meine Pupillen. Vielleicht entsteht er auch von der hochschießenden Gischt aus dem innersten meines Rachens. Ich weiß es nicht!
Plötzlich Stille. Der Bohrer schweigt und auch der verdammte Spuckesauger verendet wie ein toter Salamander unter meinem Gaumen.

„Na? War doch gar nicht so schlimm! Oder?“

Ich vernehme die Worte der Zahnfee, aber verstehe sie nicht.
Tief atme ich durch und spüre mein nass geschwitztes T-Shirt unangenehm auf meiner Brust kleben. 
„Hero Distrikt“ steht in tiefblauen Buchstaben auf dem schwarzen Baumwollstoff. 
Na toll! Besonders heldenhaft war diese Vorstellung ja nicht.

Der immer noch lächelnde Weißkittel füllt mein übriggebliebenes Zahngerüst des Drei Vierers mit einer breiigen Masse, welche mit Hilfe von UV Strahlen in wenigen Sekunden stahlbetonartig verhärtet. 
Damit wurde das Innere meines kleinen Wurzelzwergs wie ein Super Gau im Atomkraftwerk für immer hermetisch geschlossen. 
Und ich hoffe, meine Angst vor Zahnärzten damit auch! Jedenfalls erzähl ich der Ärztin heute nicht mehr vom Loch im Eins Sechser. 
Ich kann gerne warten, bis Doktor Wurst wieder aus seinem Urlaub kommt. 

Ich fummele beim Abschied mit der rechten Hand über meine rechte Jackentasche, und fühle die Konturen. 
Meine Finger zeichnen die Kurven des verdeckten Inhaltes lasziv nach, wie beim knisternden Vorspiel an einer sich dahin räkelnden schönen Frau. 
SIE wird mir und meinem Eins Sechser in den nächsten Tagen die nötige Kraft und Sicherheit geben, bis Dr. Wurst wieder praktiziert. 
Da bin ich mir sicher!
SIE – meine fast noch volle Flasche Klosterfrau Melissengeist.
GANZ sicher!!!...

Der letzte Badetag

Vor vier Komma fünf Jahren bekam ich zum Erstbezug meines neuen Büros eine so genannte Steinpflanze geschenkt. Ich glaube, sie sollte symbolisch für berufliches Glück und Reichtum stehen. Egal. Auf jeden Fall habe ich diese Steinpflanze geliebt. Ich habe sie gehegt und gepflegt. Viereinhalb Jahre lang! Als sei es ein Lebewesen, welches tagtäglich mit mir spricht. Ähnlich wie dieser Harway Hase oder einer der singenden Chipmunks. 
Diese Steinpflanze jedenfalls holt sich ihre Feuchtigkeit eigentlich aus der Luft. Ganz ohne Dazutun von außen. Ohne Wurzeln oder Erde. Man braucht sie weder gießen noch in den Spuckemund nehmen. Sie wächst einfach so in den Tag hinein. Etwas langsam – zugegeben – aber sie tuts. Theoretisch könnte man sie auch auf den Kopf eines Meerschweinchens kleben. Oder beidseitig auf die Wimpern. Ein Stein als Unterlage  tuts allemal aber auch.

Nun habe ich vor sechs Wochen bemerkt, dass dieser kleine Wasserschnapper 10mal schneller wächst und prächtig gedeiht, wenn ich ihn für 2 Minuten einmal pro Woche kopfüber in ein mildes Wasserbad lege. Das Pflänzchen hat sich seitdem an diesen besonderen Badetag gewöhnt und scheint mich jedes Mal vor dem großen Aufguss besonders vollblättrig begrüßen zu wollen. Seitdem ist jeder Mittwoch unser Badetag! In einer fast schon anmutigen Zeremonie guckt mir dann die grüne Dickblättrige zu, wie ich den alten Edelstahl-Wasserkocher aus Omas Zeiten mit handwarmem Leitungswasser auf genau 5cm Füllhöhe befülle. Ich besitze keinen anderen Behälter für Pflanzi, wie ich sie liebevoll nenne. Schließlich ist das Gewächs auf einem Lavastein aufgeklebt, der ebenso in einer großräumigen Nasszelle unterkommen will. 

Ein Bild aus glücklichen Tagen:
Ich und mein Kocher

Und wie jede Woche an einem Bademittwoch gieße ich auch heute wohltemperiertes Wasser von ca. 25 Grad Celsius in den Kocher. Ich nehme Pflanzi wie immer hoch, halte sie vor meine Augen und gucke ihr auf die dicken, gesunden, langen grünen Blätter. Ich blase und wedel ihr zärtlich den Bürostaub von der Palme und stelle sie behutsam kopfüber in ihren zu 1/3 gefüllten Badekocher.
Summend sinniere ich vor mir hin und gucke Pflanzi bei der Wasseraufnahme begeistert zu. Bis die Badeschau nach einem kurzen Minütchen jäh einen Abbruch nimmt. Ich bekomme Besuch.
Aha - ein Kollege, der meine Hilfe braucht. Unglaublich! Gerade jetzt, in einem schon recht intimen Moment zwischen diesem jetzt schon stark durchgetränkten Blätter-Rochen und mir. Aber der Kollege kann nicht ahnen dass er stört und ich widme mich den Sprechblasen des jungen Mitarbeiters.
Nach zwei weiteren Minuten geht abermals die Bürotür auf und weitere Kollegen besetzen meinen Büroraum. Mein Arbeitsplatz füllt sich zusehends mit Menschen. Und diese Menschen warten. Sie warten solange, bis ihnen geholfen wird. Das haben Kollegen so an sich. Vorher gehen die nicht! Niemals! 

Aus dem Internet-Archiv: 
So sieht eine gesunde Steinpflanze aus

Nach weiteren zwanzig Minuten sind die Problemchen der Kollegen zum größten Teil gelöst. Jedenfalls rede ich mir das ein.
Was kann es jetzt schöneres geben, als den Erfolg gelöster Probleme mit einem Cola Weinbrand, Champagner oder einem Masala Chai Tee zu begießen. Das erste und zweite darf ich nicht. Aber die Idee mit dem Tee trifft auf Begeisterung bei den nun problemlosen Kollegen und ich hole vorfreudig die Tassen aus dem Rollcontainer. Der chinesische Masala Chai wartet bereits einsatzbereit in kleinen abgepackten und aromageschützten Papiertütchen. Ich hänge die Beutel in die zum Teil mit Zucker gefüllten Tassen. Danach wende ich mich übermotiviert dem in der Sonne glänzenden Wasserkocher der Marke Cloer353 zu und schalte das kleine Kraftwerk auf lustige 100 Grad...

Einige Nanominuten später ist es soweit…
Nachdem die Suppe anfängt vor sich hin zu köcheln, wundere ich mich
natürlich sehr darüber, warum das Wasser schon jetzt einen ausgesprochen ausgewogenen, teeartigen Geruch in Richtung Brokkoli - Spargel - Mischung entwickelt. Sekunden später riecht das ganze Büro wie brennende Brokkoli-Felder. Auch die Farbe des kochenden Inhaltes deutet nicht auf ausschließlich natürliches Wasser hin. Ich sehe nur eine grünbraune Gischt in dem 1900 Watt Brodler. Und wie sie am Rand immer wieder hoch kocht, obwohl ich bereits den Stecker gezogen habe. Ich ahne nichts Gutes!
Beim Befüllen der Tassen kommt es mir wie Schuppen vor den Augen.
„Pflanzi?“
Noch rufe ich ihren Namen ausschließlich in Gedanken…
„Pflanzi?“
Aber das ändert sich parallel meiner aufsteigenden Panik
„PFLANZI?“

Schon beim Befüllen der ersten Tasse kommt mir der ganze Lava Stein samt der durchkochten Pflanze hinterher.

Oh mein Gott... Ich habe sie getötet!
Oder gibt es noch Hoffnung?

Ich hau mich weg... Ich weiß nicht ob ich lachen oder weinen soll. Schnell denke ich an die Erste Hilfe Maßnahmen bei Verbrennungsopfern und renne mit der dampfenden Pflanze den langen Gang zu den Waschräumen herunter. Jede Sekunde zählt. Pflanzi sieht Sekunde für Sekunde immer beschissener aus. Auch der Schwall eiskaltes Wasser schafft kein eindeutig gutes Ergebnis. Ich stelle Pflanzi wieder in das Bürofenster und hoffe, dass es ihr morgen besser geht. Pflanzen haben einen sehr hohen Überlebenswillen. 

***

Donnerstag:
Es ist 07:00 Uhr morgens. Ich schließe mein Büro sachte auf.
Laaangsaaam.
Viel langsamer als sonst.
Vorsichtig stecke ich meinen Kopf durch den Türspalt und suche nach dem 4 Komma fünf Jahre alten Symbol für beruflichen Erfolg und Glück.
Etwas Grauenhaftes liegt tot im Fenster neben dem Lavastein. Es erinnert mich an die kugeligen Dornenbüsche in den Westerfilmen, die vom Wind getrieben über den Wüstenboden rollen. 

Selbst der Kleber konnte sie nicht mehr auf ihrem Stein halten. 
Anklagend liegt sie auf dem Tisch und ihre Fühlerblätter brechen ab...

Pflanzi muss in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag gestorben sein. Vorsichtig überprüfe ich hoffnungsvoll mögliche überlebende Kleinstregionen an der Pflanze. Aber die Blätter brechen sofort ab wie Maikäferfüße im Windkanal von Mercedes Benz.
Ein Abschlussfoto wird mich erinnern… An meine Steinpflanze und an meinen beruflichen Erfolg, der nun symbolisch als grünbraune Brühe in den Katakomben Hannovers Richtung offenes Meer fließt. Machts gut, ihr zwei! 

Pflanzi´s Stein wurde als Gedenkstein in 
meinem Aquarium untergebracht. (s. rechts unten).

Fundstück der Woche

 
Stella - getroffen am Strand der dänischen Insel Römö. 
Ein Hund zum Liebhaben

Während einer ziellosen Wanderung durch die weite Welt des Internet, bin ich letztens auf eine sehr schöne Seite gestoßen, die uns das Zusammenleben zwischen Hund und Halter/in näherbringen und vereinfachen soll. Da ich keinen Hund besitze, ich mich aber schon des Öfteren gefragt habe, „wie wirkt sich das Leben mit so einem kläffenden Knäuel auf mich aus?“, habe ich mir die Hunde-Umgangsseite näher angeschaut. Nun steht erstmal für mich fest: Nein, es kommt mir kein Hund namens Beethoven oder Lassie unter den Tisch. Nicht, dass ich die Bellos nicht mag… Nein, nein! Ich möchte mir nur folgende Erfahrungsmomente ersparen. 

Ich verstehe mich durchaus mit Hunden: 
Hier teile ich mit dem dänischen Strandhund Stella 
eine kühlende Mische Cola Weinbrand

Und bitte: Das Gedankengut kommt diesmal nicht von mir!!! Ich informiere Euch lediglich über die dargestellten Handlungstips aus dem Hundeforum!

Am Anfang des Textes geht es darum, dass ein Hund krank ist. Herrchen und Frauchen wissen das. Der Hund weiß es nicht. Der Doktor verschreibt dem zotteligen, nicht gerade klein geratenen Vierbeiner Tabletten (Pillen), die er morgens und abends zu sich nehmen soll. Hier sollen die folgenden Anwendungshinweise den Hund und besonders den mutig Tablettengebenden positiv unterstützen:

1. Nehmen Sie den Hund (egal ob Pudel oder Bernadiener) in die Beuge Ihres linken Armes, so als ob Sie ein Baby halten. Legen Sie den rechten Daumen und den Mittelfinger an beiden Seiten des sabbernden Mäulchens an und üben Sie sanften Druck aus, bis der Hund es öffnet. Schieben Sie die Pille in den Rachen hinein und lassen Sie den Hund das Mäulchen schließen.

2. Sammeln Sie die daneben gefallene Pille vom Boden auf und holen den Hund hinterm Bett vor. Nehmen Sie ihn wieder auf den Arm und wiederholen Sie den Vorgang nun etwas beherzter.

3. Holen Sie den Hund aus dem Schlafzimmer und schmeißen die angesabberte Pille über ihren Rücken weg, während sie den Hund festhalten.

4. Angeln Sie die Pille aus dem Goldfischglas und den Hund hinter dem Bett hervor. Rufen Sie Ihren Mann aus dem Garten.

5. Knien Sie auf den Boden und klemmen den Hund zwischen die Knie. Halten Sie die Vorderpfoten fest. Ignorieren Sie das Knurren und die verdrehten Augen. Bitten Sie Ihren Mann den Kopf festzuhalten und ihm ein Holzlineal in den Hals zu schieben. Lassen Sie die Pille auf dem Lineal hinunterkullern und reiben Sie den Hals des Hundes.

6. Holen Sie den Hund hinter dem Vorhang hervor. Nehmen Sie eine neue Pille aus der Packung. Notieren Sie sich, ein neues Lineal zu kaufen, den Vorhang zu flicken und die zerbrochene Pille aufzusaugen, auf die sie gerade getreten sind.

7. Wickeln Sie den Hund in ein großes Badetuch. Drapieren Sie die Pille in das Endstück eines Strohhalmes. Bitte Sie Ihren Mann, den Hund in den Schwitzkasten zu nehmen, so dass lediglich der Kopf durch die Ellenbogenbeuge schaut. Hebeln Sie das Mäulchen mit Hilfe eines Kugelschreibers auf und pusten Sie ihm die Pille in den Hals. Achten sie darauf, dass auch Hunde pusten können!

8. Überprüfen Sie die Packungsbeilage, um ganz sicher zu gehen, dass die Pille für Menschen harmlos ist. Trinken Sie ein Glas Wasser, um den bitteren Geschmack loszuwerden. Verbinden Sie den Arm Ihres Mannes und entfernen Sie eventuell achtlos ausgetretene Bluttropfen aus dem Teppich nur mit kaltem Wasser und Seife.

9. Holen Sie den Hund aus dem Gartenhäuschen des Nachbarn. Nehmen Sie eine neue Pille. Stecken Sie den Hund in einen Schrank und schließen Sie die Tür in Höhe des Nackens, so dass der Kopf herausschaut. Hebeln Sie das Mäulchen mit einem Dessertmesser auf. Flitschen Sie die Pille mit einem Gummiband in den Rachen.

10. Holen Sie einen Schraubenzieher aus der Garage und hängen Sie die Tür zurück in die Angel. Legen Sie kalte Kompressen auf Ihr Gesicht und  überprüfen Sie das Datum der letzten Tetanusimpfung. Werfen Sie Ihr blutverschmiertes T-Shirt weg und holen Sie ein Neues aus dem Schlafzimmer. Hier hilft auch kein kaltes Wasser mit Seife.

11. Lassen Sie die Feuerwehr den Hund aus dem Swimmingpool des Nachbarn holen. Entschuldigen Sie sich beim Nachbarn, der mit seinem Rasenmähertraktor in den Zaun gefahren ist, um dem Hund auszuweichen. Nehmen Sie die letzte Pille aus der Packung.

12. Knebeln Sie die Vorder- und Hinterläufe mit einer Wäscheleine zusammen. Knüpfen Sie sie an die Beine des Esstisches. Ziehen Sie die Gartenhandschuhe über und öffnen Sie das Mäulchen mit Hilfe eines Brecheisens. Stopfen Sie die Pille hinein, gefolgt von einem großen Stück Fleisch. Halten Sie den Kopf des Hundes senkrecht und schütten einen Eimer Wasser hinterher, um die Pille hinunter zu spülen.

13. Lassen Sie sich von Ihrem Mann ins Krankenhaus fahren. Sitzen Sie still, während der Arzt den Mittelfinger wieder an die Hand annäht und die Pille aus Ihrem rechten Auge entfernt. Halten Sie auf dem Rückweg am Möbelhaus und bestellen einen neuen Tisch.

14. Versuchen Sie das Ganze noch einmal mit Tropfen statt Pillen. Flieht Ihr Hund jetzt wieder: Erschießen sie ihn!
Fahren Sie zum Zoo und kaufen sich eine Katze.

…Wie gesagt: Es stammt nicht aus meinem Kopf. Ich habe keinen Hund.
Mit bestem Gruß an alle kranken Vierbeiner – Haltet durch 
...und flieht nicht! Euer Eli

...und vielen Dank an die hübsche Rassehündin Stella, 
die hier für ein Fotoshooting bereitwillig zur Verfügung stand.

Die Nackte im Zug

Freundschaften gab es schon immer. Mal gute und mal weniger gute. Ich denke, jedes Land definiert seine eigene Liste der „best of friends“ und wirbt mit ihnen bis hin auf Leinwänden. Die Amerikaner definieren sie mit Cap & Capper, die Polen mit Lolek und Bolek, Marge Simpson mit Homer und seinem Donut und die Italiener mit Bud Spencer und Terence Hill.
Auch ich habe so ein besonderes, bestes Kumpelchen. Grund genug um ihm hier einen kurzen Post zu spendieren. Ich musste ihm allerdings vorher versprechen, dass ich einige Bedingungen einhalte, damit ich etwas über ihn schreiben darf:

1.)  Keine Geschichten über sein familiäres und privates Umfeld (schade)

2.)  Keine Beleidigungen und keine Diffamierungen (wieso das denn?)

3.)  Kein Petzen über sein Verhalten in Restaurants (so´n Mist! Denn das muss man erlebt haben. Besonders, wenn er 500 Mini-Zwiebelstücke aus seinem Fleischsalat aussortiert).

4.)  Keine Veröffentlichungen unserer Emailinhalte (doofes Datenschutzgesetzt – man kann sich aber auch anstellen)

5.)  Ich darf die Bedingungen hier nicht nennen… (…ups!)

6.)  Ich darf nicht verraten, dass er zu einem türkischen 8,00 Euro Friseur geht, der im die Ohrhaare mit offener Flamme abbrennt. (Doppel-ups!!).

Ich würde es ja wieder löschen, aber die „Entfernen-Taste“ an meinem Laptop funktioniert zur Zeit nicht. Zufälle gibt’s …

Mein Kumpelchen und ich kommen grad von einer Sitzung im Norden von Hamburg und rauschen im Großraumabteil des ICE nach Hannover.
Die Zugbegleiterin prüft lächelnd unsere Fahrkarten und entschwebt unseren fest eingerasteten und hypnotisierten Augen. Natürlich sind wir der Meinung, dass sie uns nur deshalb angelächelt hat, weil wir zwei unwiderstehliche Endvierzigermännchen sind.
*Huch, ich hab schon wieder diese Halluzinierkrankheit. (Ich werde sie aber erstmal nicht behandeln lassen – oooh nein, viel zu teuer. Ich bin Kassenpatient).
 
Wir passieren den Bahnhof Harburg und ich erkenne nun deutlich den nickeligen Überkräusel-Blick meines Kumpels. Dieser Blick besagt in der Regel, dass er den Zustand einer ausgelaufenen Batterie angenommen hat und sein Energiehaushalt in der nächsten Stunde aufgeladen werden muss. Kurz gesagt: Das Sandmännchen ist meinem Kumpelchen soeben mit Schallgeschwindigkeit durch die Augen gesurft.
Immer dasselbe Spiel mit ihm! Erst volle Attacke aus allen Rohren und dann einnicken. 

 Was mach ich bloß so ganz verlassen?
Am besten erstmal ein paar Faxen. Er merkt ja nix...

Na toll! Jetzt sitz ich hier mental verlassen und bereite mich auf eine folgende, superlangweilige Stunde vor.
Am besten, ich sinnier vor mir hin.

…sinnier

Grübel Grübel…

…sinnnniiiiiieeeeerrr

Grummel grummel…

Schon überfallen mich die ersten Schnarcher von meiner rechten Sitzflanke, die sich von Geräuschen eines säuselnden Gebirgsbaches bis hin zu einer durchgeknallten Schreddermaschine im Sägewerk entwickeln. Und das alles schafft er sogar mit geschlossenem Mund.
Der schnelle Tunneltampon mit der roten DB Aufschrift untermalt den Schnarchrhythmus meines Kumpelchens mit monotonen Abrollgeräuschen in allen Weichen- und Baustellenbereichen.

Kalunkatong…  Kalunkaton…  Kalunkaton…
Rünkeldünkel… Rünkeldünkel
Schraballaluk… Kalunkatong…  Kalunkaton…  Kalunkaton…

Dazu kommt das zu einem gewaltigen Creszendo ausartenden Schreddergeräusch von meiner Steuerbordseite.

Chhhhrrrrr
Rochel rochel rochel
Hatzepüüüüühhhh
Chhhhhrrrrrrrr
Rochel rochel rochel
…

Langsam gehen mir die Faxen aus...

Ich überlege, ob ich ihm die Nase mit einer Büroklemme – ähnlich einer Sofortmaßnahme gegen brennende Ölbohrlöcher – verschließe. Ich habe zufällig noch eine von diesen neuartigen Büroklammern in der Tasche.
Aber ich genieße lieber die bewundernden Blicke der Mitreisenden, deren volle Aufmerksamkeit er sich nun in kürzester Zeit erkämpft hat.

Chhhhhrrrrrrrr
Rochel rochel rochel

Kumpels lustig flatternde Nasenflügel lassen mich wissenschaftliche Fragen aufwerfen.
Warum bohrt man(n) eigentlich immer nur mit dem linken Zeigefinger im linken Nasenflügel und im rechten Nasenloch nur mit dem rechten Zeigefinger herum?
Gedankenverloren versuche ich wie ein Schwenkarmroboter im Opel Lackierwerk mittels meines linken Fingers in meine rechte Nasenhöhle vorzudringen. Bevor ich merke, wie blöd ich eigentlich dabei aussehe, stellt es bereits die Zugbegleiterin fest. Sie hat nur drei Meter vor mir im Gang geankert und scheint auf dem Waggonboden fest eingerastet zu sein. Jedenfalls bringt sie auch nicht der stärkste Schlenker des Zuges aus dem Gleichgewicht. Peinlich lasse ich sofort von meinem Rüssel ab und verstecke meinen sündigen Bohrfinger in meinem Schoss. Es ist besser, ich konzentriere mich auf weitere ungelöste Fragen der Menschheit.
 
Auf den teilweise parallel führenden Autobahnen und Bundesstraßen zieht sich der Verkehr wie der glibberige Spuckefaden eines Faltenhunds dahin. Zu den Ostertagen soll es neue Megastaus geben. Himmel Herrgott - warum also finde ich selbst zu diesen Feiertagen keinen Parkplatz vor der Haustür? Ein weiteres ungeklärtes Phänomen.

Mir gehen die Menschheitsfragen aus. Meiner einer wird so langweilig wie einem Engerling während der Verpuppungsphase und ich erinnere mich an drei aktuelle Gegebenheiten...
1.     daran, dass ich meine kleine Kompaktkamera dabei habe.
2.     daran, dass in der Bildzeitung ein nackeliges Pinupgirl abgebildet ist
3.     daran, dass die Partnerin meines Kumpelchens (wie meine auch) unbegründet eifersüchtig werden kann.

Nu heißt es: Absolute Ruhe und Konzentration im gesamten Waggon!

Fluchs flüchtet meine Langeweile wie Wachs von der Kochplatte. Wenn das nicht drei Glückstreffer sind, die meine Weiterfahrt angenehmer gestalten sollten! Ich knicke die BILD Zeitung auf die Größe des darin enthaltenden Nacktfotos und versuche den pikant freizügigen Ausschnitt auf seinem Bauch zu platzieren. 

Jaaa… Soooo… So ist recht! Fertig!!!


Ungewöhnliche Fotos erfordern ungewöhnliche Mittel!

Nun sieht es aus, als wäre er bei der Lektüre über brünette Frauen überglücklich eingeschlummert. Ich muss mich zusammenreißen, nicht laut loszulachen oder ihm ins Gesicht zu prusten. Es gluckst schon in meinem Hals. Auch die Mitreisenden haben ihre helle Freude an meinen Ideen und der „Nackten Tatsache“, die sich nun lustvoll auf dem Bauch meines Kumpels räkelt.
Jaaaaaa… Endlich ist Stimmung im Großabteil der Deutschen Bahn!

Und schnell nochmal den flinken Auslöser gedrückt. 
Hi hi... pruuust... Ich hau mich weg!

Gerade will ich zu seinem neuen Papieroutfit ein witziges Malerhütchen basteln und ihm aufsetzen. Aber es ist leider zu spät.
Nach einer nur 10minütigen Fotosession löst die Zugbegleiterin unsere fidele Runde im Waggon 9 auf. 
Sie bietet uns leckere Schoko-Knusperkugeln an. Grund genug für das Unterbewusstsein meines Kumpelchens, die Aufwachphase auf der Stelle einzuleiten.

Der Zug erreicht pünktlich die niedersächsische Landeshauptstadt. Einige Mitreisende applaudieren. Auf Nachfrage bestätige ich meinem Kumpelchen, dass auch ich die meiste Zeit geschlafen habe und die Fahrt ansonsten langweilig und ohne besondere Zwischenfälle gewesen ist. Keine Ahnung auf was die Klatschen!

Na, wenn der wüste… 

Nachsatz: Hallo Kumpelchen! Wenn Du das hier liest, dann erinnere Dich BITTE daran, dass zwei Deiner superpositiven Eigenschaften folgende Charakterzüge beinhalten:

1.)  Du kannst mir in jedem Fall verzeihen, wenn hier Schnarchfotos mit Nackedeis von Dir veröffentlicht werden!

2.)  Du wirst keine Rache an mir schwören!

Jetzt ist mein Gewissen wieder beruhigt. Na geht doch! Danke!!! :-D